Bis zur Einführung der schriftlichen Urkunden im 8. Jahrhundert n. Chr., denen auch Reichertsheim seine erste Erwähnung verdankt, geben uns nur die Funde von Sachquellen sichere Hinweise auf Leben und Kultur der frühgeschichtlichen Menschen. Obwohl politische und Verwaltungsgrenzen unserer Tage für die Erforschung dieses Zeitabschnittes völlig bedeutungslos sind, kann und soll sich diese Festschrift nur auf den Raum Reichertsheim beschränken, der noch vor wenigen Jahren als „fundleer" galt. Anders als in der näheren Umgebung fehlen hier ortsfeste Denkmäler, wie Grabhügel, Ringwälle, sogenannte Viereckschanzen, Reste von frühgeschichtlichen Bauten und Altstraßen. Nur ein Fund zeugt vom menschlichen Leben in der Jungsteinzeit. Er gehört zu den beweglichen Zeugnissen, zu denen Werkzeug- und Waffenfunde, Schmuck- und Münzfunde, Keramikscherben, oder die Opferfunde aus Mooren und Flüssen gezählt werden. Dabei handelt es sich in der Regel um Zufallsfunde aufmerksamer und interessierter Laien. Sicher wurden auch schon in unserem Gebiet Zeugnisse früher Kulturen zu Tage gefördert, um dann mangels Sachkenntnis für immer verloren zu gehen. Dabei bieten die zahlreichen Museen und Sammlungen ausreichend Gelegenheit Kenntnisse über Aussehen und Beschaffenheit derartiger Fundgegenstände zu erwerben. Diese reichen natürlich nicht aus, um dann selbstständig Ausgrabungen durchzuführen. In jedem Fall ist der zuständige Denkmalpfleger direkt oder über die Ortsbehörde zu verständigen. Nur so ist die Gewähr für den sofortigen fachlichen Einsatz gegeben, durch den allein die forschungswichtigen Aufschlüsse erbracht werden. Auch das in der Gemeinde Reichertsheim, Ortsflur „Wollmaier", gefundene Steinbeil ist ein solcher Zufallsfund. Ein Bauer hatte es ausgeackert, dann aufgehoben und interessiert betrachtet, um es schließlich doch wieder zu den anderen Feldsteinen zu werfen. Der heimatkundliche Forschungstrieb eines anderen Mannes führte dann endlich zur Sicherung des Fundes und nach längerer Zeit auch zu dessen wissenschaftlicher Auswertung. Damit ist ein Beweis menschlichen Lebens vor 4500 Jahren in der Mitte der Jungsteinzeit und im heutigen Gemeindegebiet erbracht. Nach einem Bericht im „Mühldorfer Anzeiger" vom März 1975 weist die Form dieses Beiles auf den Übergang vom großen Schuhleistenkeil zu den walzenförmigen Beilen hin. Derartige Beile dienten als Spitze einer Feldhacke und sind ein Beleg für den Hackbau, einem Vorläufer der jüngeren Pflugwirtschaft. Zu Beginn der Jungsteinzeit um 3500 v. Chr. steht die Erweiterung des Sachbesitzes der steinzeitlichen Menschen um zwei neue Arten: Geschliffenes Steingerät tauchte auf und die Herstellung von Töpferware begann. Die Verzierung dieser Töpferware mit bandartigen Mustern veranlasste die Archäologen, diese Einwanderer mit der Bezeichnung „Bandkeramiker" zu belegen. Mit ihnen trat an die Stelle der bisher ausschließlichen Jäger- und Sammlerkulturen eine Gruppe sesshafter Siedler und Bauern. Weizen, Gerste und Hirse wurden angebaut und Grastypen, die als Unkraut in den Weizen- und Gerstenfeldern wuchsen, wurden zu Roggen und Hafer veredelt. Tiere wurden gezähmt und dienten als Fleisch- und Milchlieferanten, als Transportmittel und als wertvolle Hilfe bei der Jagd. Diese Siedler bauten feste Häuser aus Fach- und Flechtwerk, mit Lehm verstrichen und mit Schilf oder Stroh gedeckt. In den frühesten bäuerlichen Kulturen Mitteleuropas entstanden die ersten Dörfer aus zerstreuten Einzelhäusern. Dabei bezog sich die Sesshaftigkeit nicht auf einen Ort, sondern auf ein größeres Gebiet. Einer Besiedlungsdauer von 10 Jahren folgte in der Regel eine Brache von 50 Jahren zur Regeneration des Ackerbodens. Das plötzliche Auftreten dieser neuen Kulturelemente weist darauf hin, dass sie aus einer anderen Kultur entliehen wurden. Bereits im 7. Jahrtausend v. Chr. hatte sich im Nahen Osten der gleiche Wandel vollzogen und Südosteuropa war in der folgenden Zeit Schritt für Schritt zu einer westlichen Provinz dieser Bauernkulturen geworden. Auch die Einwanderung der Bandkeramiker erfolgte von Südosten her. Von dort brachten sie die landwirtschaftlichen Kenntnisse mit und fanden hier auf den trockenen Lehm- oder Lößböden waldfreie Flächen, die sich als Siedlungsland anboten. Später, in der Endphase der Jungsteinzeit, wanderten noch andere Gruppen in das Voralpenland ein. So tauchten um 2400 v. Chr. die Träger der Münchshöfener Kultur auf. In der Kupferzeit, die um 2000 v. Chr. begann und in Überschneidung mit der Jungsteinzeit um 1800 v. Chr. endet, kamen die Träger der Glockenbecher-, der Altheimer- und der Streitaxtkultur. In der näheren Umgebung lassen sich Funde aus der Jungsteinzeit in Mettenheim-Hart, Aschau, an den Hängen östlich und südlich von Bachham, bei Au am Inn, in Oberbonbruck, bei Rottwinkl, bei Weilkirchen, bei Schönbrunn, bei Ehring und in Ensdorf nachweisen. Die Funde in Altmühldorf und in Unteralmsham (ehem. Gde. Thambach) haben keinen örtlichen Bezug, da sie als so genannte „Donnerkeile" auf den Dachböden der Anwesen aufbewahrt wurden um gegen Blitzschlag zu schützen. Aus den folgenden Perioden, der Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, der Hallstatt- und La-Téne-Zeit traten im Gemeindegebiet bislang weder ortsfeste Denkmäler, noch bewegliche Zeugnisse zutage. Trotzdem kommt der letztgenannten Periode in anderer Beziehung eine besondere Bedeutung zu. Nach dem heutigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse gilt es als sicher, dass die Einwanderung eines bajuwarischen Stammes nie stattgefunden hat. Wer sind aber dann diese Baiwaren, die um das Jahr 530 n. Chr. erstmals genannt werden? Die Antwort kann nur lauten: die Bayern sind ein Volk von Völkern und das keltoromanische-römisch-germanische Mischvolk in den Süddonaulanden, das die Franken nach der Zertrümmerung des Thüringerreiches ihrem Reich einverleibten. Noch heute gelten die Bayern neben den Bewohnern von Irland, Schottland, Wales und der Bretagne als sichere Träger keltischen Erbes. Etwa um 50 v. Chr. schreibt ein griechischer Geschichtsschreiber über die Kelten: „Ihr Aussehen ist furchterregend, ihre Stimmen klingen tief und allgemein rauh. Bei ihren Zusammenkünften sind sie von kurzer Rede, sie sprechen in Rätseln und Andeutungen. Vieles drücken sie in Übertreibungen aus, wobei sie sich selbst erhöhen und andere dabei herabsetzen. Sie drohen gern, reden hochfahrend und theatralisch." Die Herkunft der Kelten ist noch immer nicht eindeutig geklärt. Die sich ab 500 v. Chr. entwickelnde Kultur wird seit den Schriftstellern des Altertums als „keltisch" bezeichnet. In römischen Schriften werden sie bald „Gallier" genannt. Neben den zahlreichen Funden keltischer Sachquellen sind es vor allem antike Schriften, die unser Wissen über diese Periode vervollständigen. Von den Kelten selbst gibt es keine schriftlichen Überlieferungen. Ihr Wissen wurde nur mündlich weitergegeben. Dennoch fand sich bei den Ausgrabungen der um etwa 50 v. Chr. zerstörten Keltenstadt Manching das vermutlich älteste schriftliche Zeugnis aus Bayern. Es ist ein unscheinbarer, grauer Tonscherbe in den das Wort „Boios" eingeritzt ist. Ob ein Kelte oder ein Fremder das Wort geschrieben hat wissen wir nicht. Zwei Quellen aus der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. klären ebenso wie römische Schriften die Bedeutung dieses Wortes. So bezeichnet der römische Geograph Strabon um die Zeitenwende die Vindeliker als Nachbarn der Boier, der fränkische Abt Eustasius besuchte nach 615 n. Chr. die „Boier, die damals Bayern heißen" und organisiert dort die Seelsorge durch Priester und Abt Jonas von Bobbio schreibt zu Beginn des 7. Jahrhunderts in der Vita das Hl. Columban: „Die Boier, die nun Bajuwaren genannt werden." Mitte des 16. Jahrhunderts schreibt Johann Turmair, genannt Aventinus, in seiner „Baierischen Chronik": „Nunmehr am allerersten vor allen Dingen sind die Gelehrten, der alten Geschichten Erfahrenen einstimmig und einmütig darin, daß die Baiern von den alten Griechen und Römern, Historien - und der ganzen Welt und einzelner Gegenden Beschreibern, in römischer und griechischer Sprache Boii genannt werden. Unsere Vorvorderen haben, nach Ausweisung der alten Reime und Schriften, etwas gröber denn jetzt und dies Wörter ganz gesprochen, die auf dem Land kurz Bojer und ganz Böiger, die in den Städten Baiger ganz für Baier. Es ist noch heutigen Tages der Brauch, daß der Bauersmann o sagt, wo der Bürger a spricht. Wir sprechen auch sonst insgemein das a dermaßen, dass es mehr dem o gleich ist als dem rechten a, wie es die Schwaben und Wälschen reden ..." Als die Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus, Drusus und Tiberius, 15 v. Chr. das Land nördlich der Alpen eroberten und in das römische Reich einbezogen, wohnten zwischen Donau und Gebirge bereits seit 400 Jahren keltische Stämme, im Gebirge die überwiegend nichtkeltischen Raeter. Den Raum der schwäbisch-bayerischen Hochebene beherrschte der große Keltenstamm der Vindeliker mit der Hauptstadt Manching. Er setzte sich aus mehreren Teilstämmen zusammen. Einer davon waren die Kattenaten, die zwischen Isar und Inn siedelten. Im Chiemgau wohnten die Alaunen, die schon zu den Norikern zählten. Überall haben sie ihre Spuren hinterlassen. Auch die Südhänge nördlich der Isen, deren Name auch keltischen Ursprungs ist, waren von Kelten bewohnt. So genannte ,,Keltenschanzen", die eigentlich Kultstätten waren, finden sich in Maxing und Frixing. Auf der Ampfinger Flur wurde eine keltische Goldmünze gefunden. Der Keltenstamm der Boier hatte sich dagegen im heutigen Böhmen niedergelassen, dem sie auch seinen Namen „Boihae-mum" gaben. In der Völkerwanderungszeit wurden sie wohl über die Donau gedrängt. Kurz vor der Wende zum 1. Jahrhundert n. Chr. erschien in Rom eine schmale aber bedeutende Buchrolle über Germanien. Der Verfasser des Werkes P. Cornelius Tacitus erwähnt darin auch, dass das Gebiet zwischen dem deutschen Mittelgebirge und den Flüssen Rhein und Main einst die Helvetier, das dahinter liegende Land aber die Boier besessen hatten. Fundstücke aus dem Land südlich der Donau beweisen die Anwesenheit der Boier bis zum Ende der Römerzeit. Viele von Ihnen dienen in der römischen Streitmacht und werden nach ihrem Ausscheiden zusammen mit ihrer Familie zu römischen Bürgern erhoben. Die keltische Urbevölkerung war von den römischen Besatzern weder vertrieben noch ausgerottet worden. Wenn sich auch die römischen Glaubensgewohnheiten in den besetzten Gebieten durchsetzten, so nahm man doch auf die Gefühle der Einheimischen stets Rücksicht. Selbst keltische Landesgötter wurden in die römische Götterwelt aufgenommen. Sicher dienten die Kelten den Besatzern auch als Arbeitskräfte und lernten von den Römern neue Techniken. Im Lauf der Zeit entstand so aus den römischen Soldaten, Beamten und Kaufleuten zusammen mit den einheimischen Kelten eine provinzialrömische Bevölkerung von großer Geschlossenheit. Während der von 15 v. Chr. bis 400 n. Chr. dauernden Römerherrschaft im Voralpenland wurde das Gebiet in Provinzen mit eigener Verwaltung aufgeteilt, Kastelle wurden errichtet und eine Grenzbefestigung schützte die neuen Provinzen gegen Übergriffe der Germanen. Ein weitläufiges und leistungsfähiges Straßennetz diente militärischen Zwecken, der Entwicklung von Handel und Wirtschaft sowie der Verwaltung des Landes. Eine dieser Römerstraßen, die von Augsburg nach Wels, wurde bereits erwähnt. Ihr Verlauf durch den Ebersberger Forst ist gesichert. Ebenso sicher ist ihre Trasse ab Neufahrn bei Ampfing in östliche Richtung, nördlich an Altmühldorf vorbei bis zur 1959 ausgegrabenen römischen Straßenstation im Sollerholz bei Töging. Der dazwischenliegende Abschnitt bleibt aber weiterhin ungeklärt. Zwar bilden römische Straßenverzeichnisse und Karten die Grundlage für die Straßenforschung, doch handelt es sich dabei meist um Kopien aus dem Mittelalter, bei denen Übertragungsfehler durchaus möglich sind. Aus den genannten Quellen kennen wir den Ort Turum am Kreuzungspunkt der Straße Augsburg-Wels mit der Nord-Süd-Verbindung von Rosenheim nach Regensburg. Der Verlauf dieser Nord-Süd-Straße wurde 1950 vom Ebersberger Heimatpfleger H. Kastner erforscht und im Bereich Rechtmehring in Richtung auf Rosenberg einwandfrei gesichert. Nimmt man den Straßenverlauf aus dem Ebersberger Forst über die Ortschaft Straßmaier nach Haag an, so ergibt sich der Schnittpunkt beider Straßen beim Weiler Hof in der Gemeinde Kirchdorf. Südlich dieser Ortschaft ist auch ein Stück eines in Ost-West-Richtung führenden Straßendammes gesichert. Die Lage des Ortes Turum wäre somit im Bereich des Weilers Hof anzunehmen und die Ost-West-Straße würde dann über das Gemeindegebiet von Reichertsheim führen. Nimmt man dagegen die Funddichte in der Nähe der ausgegrabenen Straßenstation im Sollerholz so verwundert das völlige Fehlen von Funden am vermeintlichen Kreuzungspunkt bei Hof. Die Lage von Turum und damit auch die Lage der Ost-West-Straße liegen somit weiterhin im Dunkel. Zudem lassen Untersuchungen der jüngeren Zeit die Römerstraße ab Neufahrn in westliche Richtung nördlich an Wimpasing, Niederheldenstein und Karting und südlich an Kühham und Kirchbrunn vorbei, weiter über Schmiedham, Weidenbach und Straß in Richtung Obertaufkirchen vermuten. Damit wäre auch Turum weiter nördlich im Raum Dorfen zu suchen. Die endgültige Lösung dieser Fragen bleibt somit weiterhin dem Zufall überlassen. Auf eine römische Besiedlung in der näheren Umgebung weisen Ortsnamen wie Weilkirchen und Pürten (burtina) und der heute leider verschollene Fund eines Topfes mit etwa 80 Münzen aus der Zeit von 178 bis 268 n. Chr. in Klugham bei Fraham hin. Dieser Münzfund gibt noch weitere Aufschlüsse. Immer wieder waren germanische Stämme, vor allem die Alamannen, über die römische Grenzbefestigung in das Hinterland eingedrungen. Zur Zeit des Kaisers Gallienus (253-268 n. Chr.), dem Sohn des von den Persern gefangen genommenen Kaisers Valerian, war das römische Reich von vielen Seiten bedrängt und die chaotischen Zustände veranlassten die Alamannen und Markomannen wieder über die Donau südwärts vorzudringen. Damals hat wohl ein römischer Bürger auf der Flucht vor den Eindringlingen seine Habe vergraben, um sie so vor den Germanen zu retten und später wieder holen zu können. Kaiser Aurelian (270 - 275) konnte die Lage im römischen Reich wieder stabilisieren und sein Nachfolger Probus (276 - 282) stellte wieder geordnete Verhältnisse her. Die Reichsgrenze wurde zurückgenommen und eine neue Befestigungslinie, der Iller-Donau-Limes, errichtet. Nur langsam kam wieder Leben in das verwüstete Land ohne jedoch den einstmaligen Stand jemals wieder zu erreichen. Doch Frieden und Normalisierung dauerten nicht lange, denn nach der Mitte des 4. Jahrhunderts drangen wieder germanische Völker in das römische Reich ein und verursachen den Zusammenbruch der Verteidigung und der römischen Verwaltung. Nach 400 endete schließlich die Römerherrschaft im Alpenvorland. Unser besonderes Interesse gilt jedoch einem germanischen Stamm der sich aus dem Zusammenschluss kleinerer Völkerschaften gebildet hatte und einst zwischen Weser und Niederrhein lebte, den Franken. Mit poli- tischem Geschick, mit Beharrlichkeit und Rücksichtslosigkeit nutzten sie die zunehmende Schwäche Roms aus, erweiterten ihren Besitz in der Gegend des späteren Belgiens und in Nordfrankreich und verschafften sich im 4. und 5. Jahrhundert einen Großteil des römischen Erbes. Noch vor dem Jahr 500 unterwerfen sie die Alamannen und erobern wenig später auch noch das westgotische Gallien. Der im Jahr 446 geborene und 496 mit seinem Stammesadel und dem Volk getaufte König Chlodwig I. (Ludwig I.) wird damit zum Gründer des fränkischen Reiches, das nun vom Geschlecht der Merowinger regiert wird. Auch das Herzogtum Bayern wird als Grenzorganisation an der Südostflanke des Merowingerreiches errichtet und mit einem fränkischen Grenzherzog als Oberbefehlshaber besetzt. Die Geburtsstunde des bayerischen Stammes, eines Volkes von Völkern und einer fränkischen Schöpfung, hatte geschlagen. Das Stammesgebiet der Bayern lässt sich geographisch mit dem heutigen Begriff „Altbayern" beschreiben und umfasste Ober- und Niederbayern. Dabei blieb die Ostgrenze stets fließend und verschob sich während der Agilolfingerherrschaft immer weiter nach Osten. Noch im 5. Jahrhundert gehörte der Voralpenraum zum Einflußbereich der Goten, deren Vorherrschaft mit dem Tode Theoderichs des Großen im Jahr 526 endet. Die ursprünglich im pannonischen Raum ansässigen Langobarden rücken Mitte des 6. Jahrhunderts in das oberitalienische Gebiet nach und bilden dort das Langobardenreich. Deren freigewordenes Siedlungsland in Pannonien wurde von Slawen und Awaren in Besitz genommen. Zwischen Bayern und Franken entstanden dadurch gemeinsame Interessen in deren Abwehr. Zudem war Bayern durch seine zentrale Lage wichtigster Bestandteil für das entstehende deutsche Reich. Als das Durchgangsland zum Süden wurde Bayern die Verbindung Roms zum nördlichen Europa. Ursprünglich dem romanischen Sprachgut näherstehend, entwickeln sich die Bayern unter dem fränkischen Einfluss zu einem althochdeutsch sprechenden Stamm.